Strahlende Nordlichter funkeln in der Semperoper

Ein Ballettabend, wie er strahlender nicht hätte sein können: „Nordic Lights“ feierte in der Semperoper Premiere. Ballettdirektor Aaron S. Watkin hatte für diesen mehrteiligen Abend Choreografien von Pontus Lidberg, Johan Inger, Alexander Ekman ausgesucht. Ein Höhepunkt des Abends dann auch gleich zu Beginn die Uraufführung von „Im anderen Raum“ von Pontus Lidberg zur wundervollen Musik von Max Richter. Karge, multimedial sich wandelnde Bühnenräume, in denen die Beziehungsgeschichten spielen. Die „Liebe als Hauptkraft des Universums“ (Rumi) wird zelebriert, gefeiert, verehrt. Tänzerische Begegnungen voller Intensität, fließenden Bewegungen und starker Ausdruckskraft. Einfach hinsetzen, zuschauen, träumen. Perfekt!

In „Walking Mad“ dann von Johan Inger bekommt die Musik von Ravel („Bolero“) eine völlig neue Dimension. Ver-rückte Konstellationen, Pas de Deux, die mehr Ringkämpfen gleichen, spielerisch, witzig, originell und auch jetzt wieder: Perfekt getanzt! Ein Epilog zur Musik von Arvo Pärt gibt dem ganzen Geschehen dann die große Klammer und die Zuschauer bleiben mit einem beklemmenden Gefühl zurück. Bravo!

„Cacti“, die preisgekrönte Choreografie von Alexander Ekman (Musik: Franz Schubert, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven) zeigt dann einen wundervoll amüsierten Blick auf den Umgang mit der Kunst und dem Tanz. Gemeinsam mit einem Streichquartett entwickeln die Tänzerinnen und Tänzer ein mitreißendes rhythmisches Spiel mit aberwitzigen Passagen. Sarah Hay und Jiří Bubeníček sind die glänzenden Solisten, die viel Applaus erhalten. Dass der Rest des Ensembles jedoch dieser Leistung durchaus ebenbürtig ist, zeigt die einzigartige Qualität, die das Semperoper Ballett inzwischen erreicht hat. Und so gebührt das eigentliche Lob dem Ballettdirektor Aaron S. Watkin, der mit seiner Arbeit dem Publikum einen unvergesslichen Abend schenkt.

»Meine künstlerische Vision ist es, Grenzen zu überwinden, die traditionell zwischen klassischem und zeitgenössischem Tanz bestehen, um den Tanz als Krönung beider Stile neu definieren zu können,« sagt Watkin. 

Advertisements

Prickelnde Perlen vom Semperoper Ballett

Die besten und berührendsten Ausschnitte aus den Choreografien des Semperoper Ballett kamen in einer festlichen Ballettgala jetzt auf die Bühne des Hauses. Die Zuschauer in der ausverkauften Oper genossen die Gala aus den eindrucksvollsten Pas de deux und Ensemblestücken. Ob ganz klassisch von George Balanchine („Diamanten“, „Coppélia“) oder Marius Petipa (von Aaron Watkin „entstaubt“) oder modern von Davis Dawson, William Forsythe und Stijn Celis – für jeden war etwas dabei. Besonders habe ich mich über das Wiedersehen mit „Romeo & Julia“ gefreut sowie über den atemberaubenden „Stuhltanz“ der Montagues und Capulets aus dem gleichnamigen Werk. Auch Forsythes Werke waren mitreißend („Herman Schmerman“) und Dawson schuf mit seinem „Opus.11“ ein Stück, was Lust auf mehr macht. Irgendwann allerdings war die Begeisterungsfähigkeit des Publikums sichtlich ausgereizt, was jedoch keinesfalls an den beeindruckenden Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer lag, vielmehr an dem Zuviel an hochkarätigen Stücken. Eine kleine Straffung hätte dem Abend sicher gut getan. Trotzdem: Spitzenleistungen, Anmut und Eleganz hoch zehn und ein erschöpftes, aber glückliches Publikum.

Ballettpremiere: Berührende Augenblicke der Hingabe

Premiere für den dreiteiligen „William Forsythe Ballettabend“ in der Semperoper: Den schönen Auftakt zur Einstimmung macht die „Artifact Suite“, die bereits im Repertoire des Semperopern Balletts zu sehen war.

Eine echte Premiere ist dann die „Neue Suite“ mit verschiedenen Pas de deux, die die Facetten inniger Zweisamkeit auf die Bühne bringen. Die Paare umschlingen sich, berühren sich, halten sich, verschmelzen in intimer Vertrautheit zu beinahe heiligen Momenten der Liebe. Wie lebendig gewordene Statuen zelebrieren sie den Augenblick ihres Miteinanders, mal zart, mal leidenschaftlich. Voller Hingabe und Achtsamkeit gehen sie ein Stück ihres Weges miteinander, der kein Anfang und kein Ende zu haben scheint. Die Paare geben sich ihrem Tanz in Abgeschiedenheit von der Außenwelt hin, jenseits von Konventionen, Verpflichtungen und Zwängen, sich selbst völlig genug und die Zuschauer fühlen sich so, als seien sie zufällige, illegitime Zeugen des liebevollen Tanzes. Hinreißend, berührend ist dieser Teil, der das Publikum noch minutenlang still verweilen lässt, als der Vorhang schon gefallen ist.

Den atemberaubenden Abschluss macht dann die bekannte Choreografie „Enemy in the figure“. Pulsierend, getrieben und kreiselnd geben sich die Tänzer dem Rhythmus der Musik hin. Ein energetisierendes, treibendes und spannendes Stück, in der die hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer wieder einmal die ganze Bandbreite ihres Könnens zeigen. Ein großartiger Abend, an dem das internationale Ballettpublikum jubelnd und begeistert applaudiert.