Und Puccini nervt…

Wir wissen es alle: Komponist Giacomo Puccini quält seine Heldinnen. „Butterfly“ bringt sich um, „Tosca“ stürzt sich von der Engelsburg, Mimi aus „La Bohéme“ verröchelt an Schwindsucht. Jetzt war „Manon Lescaut“ dran. Die Arme. Nur, weil sie einen jungen, hübschen Liebhaber hat, wird sie in die Verbannung geschickt. In der Wüste verdurstet sie elend in den Armen ihres treuen Lovers. In der Semperoper hob sich jetzt der Premierenvorhang für die Puccini-Oper „Manon Lescaut“.

Regisseur Stefan Herheim lässt das Drama vor der Baustelle zur Freiheitsstatue spielen (Bühnenbild: Heike Scheele). Kupfern glänzt der Kopf von Miss Liberty. Geschäftig sind die Arbeiter auf Gerüsten unterwegs. Die „feine Gesellschaft“ taucht in grünspan-blassen Kostümen auf, die an Barock erinnern (Kostüme: Gesine Völlm). So weit, so gut. Aber dann stört ein pantomimisch agierender Herr mit Melone immer wieder die Handlung, verteilt Textblätter und Skripte. Achso, das soll also Herr Puccini sein, der seine Figuren in immer neue Seelenqualen stürzt. Nun, das kann man sicher machen. Schade nur, dass die wirklich großen Momente der intensiven Oper dadurch einfach gestört sind. Denn wenn Manon eigentlich in den Armen ihres Liebsten stirbt und sie ein bewegendes Duett singen sollten, ist es jetzt der stumme Herr Puccini, der bei ihr ist. Dadurch erreichen die berührendsten Momente der Oper bestenfalls konzertante Qualität. Kaum zu glauben, dass Puccini das gefallen hätte.

Die musikalische Qualität des Abends ist hingegen überragend: Christian Thielemann am Pult der Staatskapelle zaubert Großes. Als Manon ist die wunderbare Sopranistin Norma Fantini mit kraftvoller und weicher Stimme zu erleben, die vom Publikum stürmisch gefeiert wird. Auch Lescaut (Christoph Pohl) und Geronte (Maurizio Muraro) konnten überzeugen. Manons studentischer Liebhaber hingegen wird von Thiago Arancam, einem jungen italo-brasilianischem Tenor gegeben, der mit weichem Timbre und seelenvollen Ausdruck berührt. Leider war dies nicht sein Tag. Er wirkte beengt im ersten Akt, in der das Publikum bedauerlicherweise auf den Arien-Kracher „Donna non vidi mai“ wartet. Der sympathische Tenor musste dafür am Ende der Premiere ein Buh-Konzert ertragen. Tragisch.

Alles in allem: Ein absolut sehens- und hörenswerter Opernabend, den man nicht verpassen sollte. Und Thiago Arancam drücken wir die Daumen für die nächste Vorstellung!

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Madama Butterfly darf wieder leiden

Kein Zweifel: Giacomo Puccini liebte es, die Heldinnen seiner Opern zu quälen. Allen natürlich voran die schöne japanische Geisha Cio-Cio-San genannt „Butterfly“. Das Werk „Madama Butterfly“ lebt von hinreißend schönen Arien und der dramatischen Leidensgeschichte der Heldin.

Jetzt kommt die berühmte Liebestragödie „Madama Butterfly“ in der Inszenierung von Annette Jahns ab Freitag, den 30. November wieder auf die Bühne der Semperoper.

Marjorie Owens singt dabei ihr Debüt als Geisha Cio-Cio-San. Ebenfalls ihre Rollendebüts geben Tichina Vaughn als Dienerin Suzuki, Giorgio Berrugi als Marineleutnant Pinkerton, Christoph Pohl als Konsul Sharpless, Ilhun Jung als Fürst Yamadori sowie Peter Lobert als Kommissar. Die Aufführungsserie dirigiert Henrik Nánási, der Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin.

Weitere Vorstellungen finden am 9., 12. und 16. Dezember sowie am 2. Januar 2013 statt.