Bitterböser Liebeshorror in zuckersüßen Farben

„So machen´s alle Frauen – Cosí fan tutte“ resümiert zynisch Don Alfonso (Georg Zeppenfeld) am Ende des gleichnamigen „Dramma giocoso“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Werk feierte in der Semperoper unter der Regie von Andreas Kriegenburg Premiere. Untreue, Verführung und Eifersucht sind die Zutaten für Mozarts Sex- und Beziehungsfarce. Und auch, wenn die Musik ein zartes Gespinst feinster Melodien im Mozartstil ist, die Story ist wirklich böse: Um die Treue ihrer Frauen zu testen, geben Ferrand und Guglielmo vor, in den Krieg zu müssen. Während ihrer scheinbaren Abwesenheit nähern sie sich den Damen in Verkleidung, um deren Treue zu prüfen. Die verhalten sich zunächst abwehrend und brav. Doch dann mischt auch noch Zofe Despina mit, um die Frauen rumzukriegen. Derart ausgefeilten Verführungskünsten ausgeliefert kippt die Stimmung bei Dorabella und Fiordiligi auch prompt und sie geben sich den beiden Neuen hin. Als die Maskerade zum Schluss aufgedeckt wird, bleibt bei allen Beteiligten zumindest ein bitterer Nachgeschmack.

Zugegeben: Die Inszenierung in der Semperoper ist schön anzusehen. Die Kostüme lassen die Darsteller ein bisschen wie Marionetten in einem zynischen Gesellschaftsspiel wirken. Zuckersüße Farben, puppenhafte Frisuren (Kostüme: Andrea Schraad) und ein sich drehendes und kippendes Bühnenrund als Spielfläche (Bühnenbild: Harald Thor) geben den Zuschauern immer neue Einsichten in das Liebeskarussel. Mir fehlte ein bisschen die Tiefe und Abgründigkeit dieses Liebeshorrors, in dem es keine Gewinner gibt. Zu süßlich und niedlich kommen mir die Figuren daher.

Stimmlich überzeugte vor allem Rachel Willis-Sørensens (Fiordiligi) warmer, perlender Sopran und Christopher Tiesis (Ferrando) strahlender Tenor. Hinreißend! Auch die darstellerische Überzeugungskraft von Ute Selig (Despina) war ein Genuss. Die Staatskapelle unter Omer Meir Wellber hatte mit musikalischen „Anlaufschwierigkeiten“ zu kämpfen und erreichte Mozarts Leichtigkeit und Mühelosigkeit erst später.

Fazit: Wer schöne Musik zu schönen Bildern geniessen möchte, kommt auf seine Kosten.

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Triumph in Barock

Mit frenetischem Applaus, Getrampel und Standing Ovations feierte das Publikum die Premiere des Dresdner Festspielorchesters in der Semperoper. Die allesamt hochkarätigen Musiker spielten federnd, mitreißend und voller Esprit unter der Leitung von Ivor Bolton.

Das beschwingte Programm (Naumann, Friedemann Bach, Haydn, Mozart und Beethoven) wurde durch die perlenden und weichen Kolloraturen von Danielle de Niese ergänzt. Konzertmeister Guliano Carmignola glänzte auch als charismatischer Solist. Ein wirklich gelungener Auftakt für ein solches Ensemble.

Unter Echsen oder Das Märchen vom gefiederten Kaiser

Die Mozart-Oper „La clemenza di Tito“ feierte gestern Premiere in der Semperoper. Großartige Stimmen (allen voran Anke Vondung und  Amanda Majeski) und ein bestens aufgelegtes Orchester (Staatskapelle unter Tomas Netopil) begeisterten das Publikum, dass am Ende sogar musikantenstadlmäßig rhythmisch klatschte.

In der Inszenierung von Bettina Bruinier kamen die Darsteller als Tiere daher: Der Kaiser als Weißkopfadler, der stark an Karl Lagerfeld erinnerte, Vitellia (Amanda Majeski) als sexy Füchsin, Sesto (Anke Vondung) als tapsiger Hund und der Chor als Echsen. Nebenbei fuhr die Regisseurin allerhand Bühnenzauber auf, so dass  nie Langeweile aufkam. Das ist nicht wirklich zwingend, denn die Geschichte ist ein spannendes politisches Ränkespiel und bedarf eigentlich keinerlei Verfremdung und extra Aktion. Wenn man denn eine wirklich gute Inszenierungsidee hat…

Fazit: Mein Geschmack war es nicht, aber ein Ohrenschmaus ist „La clemenza di Tito“ allemal.

 

Frühlingswind und Dudelsack

So ist das eben manchmal: Auf dem Spielplan steht eine spannende Premiere und der eigene Terminkalender ist voll….Und so musste auch Frau Homberg die Premiere von „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ mit dem Frühlingswind vorbeigleiten lassen. Dass ich definitiv etwas verpasst habe, durfte ich dann bei den Kollegen nachlesen. Aber versprochen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, ich sehe mir die bunte Volksoper von Jaromír Weinberger auf alle Fälle noch im Repertoire an.

http://www.lr-online.de/kultur/Teuflisches-Spiel-mit-Witz-und-Happy-End;art1073,3735401

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3021307

La Dirindina – ein Öperchen to go

Ein Cupcake ist eine Art Törtchen. Liebevoll zubereitet mit allem, was eine richtige große Torte so braucht. Hübsch verziert, schön anzuschauen und ein Genuss für Leib und Seele.   So muss man sich die Premiere von „La Dirindina“ in der Semperoper vorstellen. Von Giovanni Battista  Martini im Jahre 1737 verfasst, wurde das Öperchen jetzt von Alexander Brendel für heutige Ansprüche inszeniert.

Es geht um die Möchtegern-Diva Dirindina, die ihren Gesangslehrer Don Carissimo zur Weißglut treibt. Wohl würde er ihr gerne noch mehr beibringen als das Singen, doch sie turtelt lieber mit Liscione. Doch ihrer beider Zuneigung ist rein platonischer Natur. Als Liscione sie nach Milano einlädt, wittert die Sängerin die große Karriere-Chance…. Weiterlesen

Lulus virtuoser Opernzirkus

Premiere für Alban Bergs Oper „Lulu“ in der Semperoper: Der Stoff um die männermordende Kindfrau „Lulu“ ist aufregend.  Lulu verschleißt die Männer, die sich für sie umbringen, oder von ihr getötet werden. Bis sie, abgestiegen zur traurigen Straßendirne, in einer Londoner Dachstube von Jack the Ripper abgeschlachtet wird. Der junge norwegische Starregisseur Stefan Herheim hat „Lulu“ in Dresden als Zirkus inszeniert, in der Lulus abgelegte Männer zu weißgekleideten Clowns werden. Die Handlung hat er ergänzt durch muntere Harlekine, die die Szenerie belagern, mal mitfühlend, kichernd, entsetzt oder gerührt. Diese Regie ist durchdacht, glaubwürdig erzählt und von fantasievollen Einfällen gespickt. Und eines sei schon verraten: Lulus Tod ist atemberaubend inszeniert. Die ausführliche Kritik in der März-Ausgabe der „Disy“ und dann auch hier.

Woody Allen meets Gaddafi

„Pariser Leben“ feierte in der Staatsoperette Leuben Premiere und ließ die Funken sprühen. Ein spielfreudiges Ensemble, die spritzige Musik von Jacques Offenbach und schwungvolle Tanzeinlagen bescheren den Operetten-Fans einen kurzeiligen Abend. Die vielfältigen Verkleidungen und Verwicklungen in dem flotten Verwechslungsspiel tun ein Übriges.Wer genauer hinsieht, entdeckt hinreißende Persiflagen auf Napoleon, Woody Allen, Gaddafi, Mae West oder „Dinner for one“. Die ausführliche Kritik erscheint in der März-Ausgabe der Disy und dann auch hier.