Wilde Wassermänner greifen an

Die Götter müssen verrückt sein: Der arme Idomeneo soll ein Opfer bringen. Fatalerweise ist es sein eigener Sohn Idamante. Wie der Herrscher da aus der Zwickmühle herauskommt erzählt Wolfgang Amadeus Mozart in seiner dramatischen Oper. Mit viel Beifall vor allem  für das großartige Sängerensemble ging die Premiere von „Idomeneo“ in der Semperoper über die Bühne.

Regisseur Michael Schulz ließ die Handlung im Irgendwo spielen: Ein beleuchtetes Säulenkonstrukt, sehr wandelbar, ließ Ideen von Antike anklingen (Bühne: Kathrin-Susann Brose). Die Kostüme blieben zeitlos und heutig (Renée Listerdal). Soweit, so gut. Einzig die omnipräsenten Wassermänner in blau-gebatikten Tarntrikots und mit aufgeschminktem bösen Grinsen konnten mich nicht überzeugen. Mal zerren sie an den Protagonisten, mal panto-mimen sie vielsagend zwischen Chor und Solisten. Den mächtigen Gott Neptun durch diese Blauwesen zu symbolisieren nervte jedoch die meiste Zeit eher, als dass es schlüssig gewesen wäre.

Indes überzeugt die musikalische Qualität restlos: Wookyung Kim ist ein charismatischer Herrscher Idomeneo mit strahlenden Tenor, Anke Vondungs warmer Mezzo verleiht Idamante Präsenz. Elena Gorshunova ist eine feine und aristokratische Illia, die in jeder Minute glaubwürdig wirkt. Die Staatskapelle spielte Mozart unter der englischen Dirigentin Julia Jones federnd und mitreißend. Trotz Wassermänner, die am Ende sogar in Taucherflossen über die Bühne watscheln, ein gelungener Opernabend.

Die ausführliche Kritik finden Sie in der nächsten Disy.

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Frenetischer Jubel für einen hinreißenden Trottel

„Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti feierte Premiere in der Semperoper. Michael Schulz inszenierte das vergnügliche Werk in sanften Farben und mit vielen liebevollen Details.

Da rollt Dulcamara in einer Arche auf die Bühne, Chorszenen sind ausgefeilt durchchoreografiert, da fliegen unerfüllte Träume wie weiße Luftballons in den Himmel und zerplatzen, da wird der eitle Belcore gleich von einer Schar schmucker Soldaten choreografisch unterstützt. Verzauberte Tanzpaare schweben durch die Szenerie und liebestolle Dorfbewohner gebärden sich megapeinlich.

Höhepunkte des Abends sind die wunderschönen Arien und Duette, allen voran natürlich „Eine verstohlene Träne“, für die Giorgio Berrugi in der Rolle des trotteligen Nemorino in der Premiere frenetischen Szenenapplaus erhält.

Fazit: Großartiges aus dem Orchestergraben (Musikalische Leitung: Riccardo Frizza), stimmgewaltige Solisten (Nadja Mchantaf, Giorgio Berrugi, Marco Vinco) , die Ästhetik der Inszenierung zwar homogen, doch eher ein wenig brav. Wer keine großen Innovationen erwartet erlebt Operngenuss von Feinstem auf hohem Niveau.