David war da!

Auf Promo-Tour für sein Leinwanddebüt in Bernard Roses Film „Der Teufelsgeiger“ machte Rock-Geiger David Garrett auch Stopp in Dresden. Für seine Fans zeigte er sich im Ufa-Kristall bestens gelaunt und geduldig, pinselte unermüdlich Autogramme auf Plakate, Handys und sogar auf Geigen (!). Vor dem Filmstart beantwortete er noch brav die Fragen von Moderatorin Maira Rothe, fiedelte fröhlich etwas Paganini. Klassik-Puristen mochte das Herz bluten ob der verstärkten Stradivari-Klänge – inspiriert tönte das auch nicht gerade. Doch seine Fans lieben seine unkomplizierte Art und legen auf Nuancen in der Interpretation seiner Werke nicht so viel Wert. Dann stellte sich David der Presse – und wirkte gleich deutlich mehr auf der Hut. Kein Wunder: Sind die Granden des Feuilletons ihm nicht immer zugeneigt. Highlight bei diesem Filmprojekt sei für ihn das Komponieren der Filmmusik gewesen, befand er und für seinen Ausflug ins Filmbusiness hatte er immerhin einen Coach. Das größte Gut in seinem Leben sei für ihn Zeit und zur Ruhe zwischen PR-Terminen und Konzertreisen käme er aber weder durch Yoga noch durch Meditation, sondern einfach dadurch, immer mal wieder die Bremse zu ziehen. Aha. 

 

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Lisa Batiashvili: Ihr Ton trifft ins Herz

Lisa Batiashvili ist die neue Capell Virtusosin der Staatskapelle. Ich traf die junge Stargeigerin im Dresdner Swissotel vor ihrem umjubelten ZDF-Konzert mit Christian Thielemann in der Frauenkirche.

Ihre Stradivari singt, wenn Lisa Batiashvili mit dem Bogen über die Saiten streicht. Die warme musikalische Farbe ihres Spiels und ihre künstlerische Reife haben Lisa Batiashvili zu einer der führenden Geigerinnen ihrer Generation gemacht. Die junge georgische Virtuosin spielt regelmäßig mit den besten Orchestern Europas und der USA und gastiert bei den Festivals von Schleswig-Holstein, Salzburg, Edinburgh, Verbier, Heimbach und Tanglewood. Ihren internationalen Durchbruch erlangte sie 1995, als sie im Alter von 16 Jahren als jüngste Teilnehmerin den 2. Preis beim Sibelius-Wettbewerb in Helsinki gewann. Zahlreiche Auszeichnungen wurden ihr seitdem zuteil, darunter ein MIDEM Classical Award sowie ein ECHO Klassik. Seit dieser Spielzeit ist Lisa Batiashvili Capell-Virtuosin der Staatskapelle Dresden. Außerdem ist sie in dieser Saison auch Solistin beim WDR Sinfonieorchester Köln und es folgen Begegnungen mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin, mit Gustavo Dudamel und den Göteborger Symphonikern, mit Thomas Hengelbrock und dem NDR Sinfonieorchester, sowie mit Mariss Jansons und dem Royal Concertgebouw Orchestra. Sie ist zudem erneut Gast bei den Berliner Philharmonikern unter Iván Fischer und beim New York Philharmonic Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra und dem Gewandhausorchester Leipzig jeweils unter Alan Gilbert.

Zierlich, elegant und bescheiden wirkt Lisa Batiashvili bei unserem Gespräch. Sie duftet nach „Jasmin Noir“ von Bulgari, die blonden Haare fallen ihr locker auf die Schultern, sie trägt ein goldenes Kreuz von ihrer Patentante um den Hals. Die Star-Geigerin lebt zur Zeit in Frankreich, kehrt aber 2013 in ihre Wahlheimat München zurück. „München fehlt mir,“ seufzt sie und freut sich auf die Rückkehr.

Seit dieser Spielzeit ist sie auch in Dresden künstlerisch zuhause. „Ich finde Dresden unglaublich entzückend und habe großen Respekt vor den Menschen, die die Stadt auf diesem hohen Niveau wieder aufgebaut haben. Die Staatskapelle ist fantastisch, ein Orchester mit dieser Geschichte! Und die Zusammenarbeit mit Christian Thielemann ist etwas ganz Besonderes: Ich bin fasziniert von seiner Kraft, seiner Spontanität. Alles, was er hat, gibt er für die Musik. Die Stimmung ist sehr gut bei den Musikern, alle freuen sich auf die Saison,“ schwärmt sie.

Lesen Sie das ausführliche Interview mit Lisa Batiashvili in der März-Ausgabe der „Disy“.

Alle Termine mit Lisa Batiashvili auf einen Blick:

25. Februar, 20 Uhr, Violin-Rezital, Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, Eintritt: 22 Euro.

7. April, 11 Uhr, 10. Symphoniekonzert mit Christian Thielemann, Semperoper, Eintritt:

im Anschluss, 15 Uhr, Gespräch im Oberen Rundfoyer der Semperoper.

8. und 9. April, jeweils 20 Uhr, 10. Symphoniekonzert mit Christian Thielemann.

 

 

 

Jan Vogler: „Zum Üben lasse ich mich einschließen“

Der Star-Cellist Jan Vogler wurde bereits 1984 als Zwanzigjähriger erster Konzertmeister Violoncello der Staatskapelle Dresden. 1997 begann er seine Solokarriere. Die New York Times bewunderte Jan Voglers „lyrisches Gespür“,  die Frankfurter Allgemeine Zeitung attestiert ihm die Gabe, „sein Cello wie eine Singstimme sprechen lassen zu können“. Als Solist ist er auf allen großen Bühnen der Welt zuhause und musiziert mit Weltklassekünstlern oder mit renommierten Klangkörpern.  Jan Vogler ist Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals bei Dresden und seit Oktober 2008 auch Intendant der Dresdner Musikfestspiele und lebt mit seiner Frau Mira Wang und zwei Töchtern in Dresden und New York. Claudia Homberg interviewte Jan Vogler für die „Disy“.

 

Sie leben in Dresden und New York. Unterschiedlicher können zwei Standorte kaum sein, könnte man meinen….

Ja, das stimmt. New York ist natürlich eine sehr energetische Stadt, hat aber ebenfalls sehr schöne, romantische Ecken. Ich liebe es zum Beispiel, am Hudson River Rad zu fahren. In Dresden gibt es diese herrlichen historischen Orte und die gewachsene Kultur. Aber, tatsächlich, die Menschen sind überall Menschen, haben die gleichen Wünsche, Sorgen und Nöte.

Wie schaffen Sie den schwierigen Spagat zwischen Musiker und Intendant?

Beide Jobs befruchten sich gegenseitig. Bei den Musikfestspielen ist es mein Ziel ein guter Gastgeber zu sein und den Künstler-Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen. Das kann ich umso überzeugender tun, wenn ich auch beim Festival selbst als Solist aktiv bin. Ich gebe rund 80 Konzerte im Jahr, das ist das normale Pensum eines Solisten. Zugegeben, es ist viel Arbeit, aber die Festspiele geben mir die nötige Bodenhaftung und erinnern mich immer wieder daran worauf es beim Spielen von Konzerten wirklich ankommt. Es ist eine sehr lebendige Arbeit, die mich stark mit dem Publikum verbindet. Allerdings ist mir meine Zeit zum Üben heilig, das wissen auch meine Mitarbeiter. Am liebsten lasse ich mich dazu im Palais im Großen Garten einschließen, ein wunderbarer Ort. Nach 2-3 kreativen Stunden mit meinem Cello dort lassen sich viele Probleme viel einfacher lösen oder schwierige Dinge neu in Angriff nehmen.

Welche Bedeutung hat ihr Cello für Sie?

Ich habe zwei unglaublich tolle Partner: Eine Stradivari-Cello von 1707 und eines von Domenico Montagnana von 1721. Beide haben ihre ganz eigenen Stärken und Klangfarben, so dass ich je nach Repertoire wählen kann. Wenn ich fliege, „sitzt“ mein Instrument neben mir, ich buche immer einen extra Platz für das Cello.

Die ausführliche Fassung des Interviews können Sie in der September-Ausgabe der „Disy“ lesen und dann auch hier.

 http://www.moritzburgfestival.de

http://www.musikfestspiele.com

 

Ulrike Hessler ist tot

Sie wollte sinnliches, musikalisches Theater, Dialog mit dem Publikum, höchstes Niveau auf allen Ebenen. Sie erneuerte, stritt und kämpfte für den traditionsreichen Musentempel an der Elbe: Ulrike Hessler hatte für ihre Intendanz an der Sächsischen Staatsoper Dresden nur zwei Jahre und schaffte es dennoch, der Semperoper in allen Bereichen neue, wichtige Impulse zu geben. Den Kampf um ihre Gesundheit, gegen eine heimtückische und schwere Krankheit, verlor sie jedoch. Die erste Intendantin der Semperoper Dresden, Ulrike Hessler, starb mit nur 57 Jahren am Montagmorgen in München an den Folgen ihrer schweren Krebserkrankung, teilte das sächsische Kunstministerium mit. Möge ihre kraftvolle Vision von der Kunst in Dresden weiterleben!

Die Dresdner Malerin Christine Schlegel: „Ich werde malen, bis ich nicht mehr kann“

Versteckte Geschöpfe zwischen Obstbäumen und Kräutern, ein schmiedeeiserner Pavillon im Gras und der Blick bis weit über die Elbe: Das Zuhause der Malerin Christine Schlegel in Hosterwitz ist verwunschen und inspirierend zugleich.

An der Haustür begrüßt Mischlingshündin Alma die Besucher: „Der Hund kommt aus dem Tierheim und ist etwas verrückt, aber freundlich. Aber es wird noch mit ihr,“ lacht die Künstlerin und kocht einen Tee. In der Küche stapelt sich farbenprächtige Keramik, vor dem Fenster sind verschiedene Glasobjekte sorgsam nach Farbfamilien geordnet. Das Tageslicht bringt Vasen, Kerzenhalter und Glaskugeln zart zum Leuchten.

„Schon als Kind habe ich Farben geliebt. Mein Vater war Maler und Gebrauchsgrafiker und ich bin mit den Farben aufgewachsen.“ Für Laien klingen schon die Namen dieser Töne exotisch und fremd. Und Christine Schlegel nimmt es genau: „Im Lexikon steht, dass Caput mortuum Englischrot ist. Aber Caput mortuum ist bläulicher. Ich liebe auch Krapplack, Deckgrün, die dunklen Töne von Preußisch Blau. Auch Cadmiumgelb ist etwas Wunderbares,“ schwärmt sie.

 

 

 

 

Ein leuchtend gelbes, riesiges Collagenbild schmückt die Wand in ihrem Wohnzimmer. Ihr kleines 1 ½ jähriges Enkelsöhnchen Friedrich sitzt gerne davor und betrachtet es gründlich. „Das scheint er von mir zu haben, diese Blickbegabung“, lacht die Malerin.

Christine Schlegel gehört zu den bekanntesten Dresdner Malerinnen. Sie wurde 1950 in Crossen geboren. Nach einem Studium der Malerei in den 70er Jahren in Dresden und einer ersten Berufstätigkeit als Künstlerin übersiedelte sie 1986 nach West-Berlin,. Weder die staatlich verordnete geistige Enge noch der sozialistische Realismus konnten sie an der DDR überzeugen. „Ich war nie besonders anpassungsfähig. Das war schon als Kind so. Ich kann nicht eingeengt leben.“

In Berlin angekommen arbeitete Christine Schlegel als Malerin und Filmemacherin. Nach dem Fall der Mauer kehrte sie zurück nach Dresden und schuf sich in dem ehemaligen Wochenendhaus der Eltern in Hosterwitz ein neues künstlerisches Refugium.

Von ihren Reisen durch die Welt (Mexiko, Kalifornien, Puerto Rico, Griechenland, Spanien, Italien, Israel) brachte sie die Farben und die Inspiration mit nach Hause, nicht jedoch, ohne ihre eigene Kunst auch in die Welt hinaus zu bringen.

Die so charakteristischen Bilder für Christine Schlegel entstanden am Anfang aus Collagen. Fundstücke, aus Zeitungen, Zeitschriften herausgerissen oder Fotos klebte sie zu collagenartigen Bildern, die sie dann in Ölbilder umsetzte.“

„Heute habe ich die Collagen nur noch in meinem Kopf und male gleich los,“ erklärt sie. „Das Spannende für mich bei meiner Arbeit ist dann, wahrzunehmen, wie mein Unterbewusstsein mitarbeitet und Dinge entstehen lässt, aus Eindrücken, die ich manchmal sogar schon fast vergessen hatte.“ In ihren Bildern findet sich deshalb oft die Absurdität, das Skurrile. „Ich arbeite mit der Methode des Surrealismus. Das eigentliche Abenteuer ist die Beziehung zwischen den Dingen, die auf meinen Werken zu finden sind“.

Ein Junge mit Schiff, tief im Wasser watend, eine Katze mit einer gelben Handtasche, eine Frau, lang ausgestreckt liegend mit einem Hündchen in einer Box.

Es vergehen oft Wochen nach Fertigstellung des Kunstwerks, bis die Malerin dann einen Titel für ihr Bild findet. „Der Titel, das ist dann das i-Tüpfelchen.“

Christine Schlegel arbeitet mit Ölfarben. Der Betrachter wird sofort von Leuchtkraft und Intensität der in den Bann gezogen.

„Ölfarben sind für mich das Beste. Schon der Geruch – wunderbar. Ölbilder haben etwas von Ewigkeit,“ findet die Künstlerin.

„Mir fehlt es nie an Ideen. Die Absurdität ist im Leben ja bereits vorhanden, ich brauche es nur auf die Leinwand zu bringen“, lacht sie.

Niemals hätte sie sich einen anderen Beruf vorstellen können. Aber es gab auch harte Zeiten:

„Ich hab Dekorateurin bei der HO gelernt, da habe ich jeden Abend geheult.“

Um diese Zeit zu überstehen, nahm sie abends an einem Zeichenzirkel teil. „Wir malten ein Brettchen, ein Messer und eine Zwiebel aus allen möglichen Perspektiven. Ich sehe es noch genau vor mir. In diesen Zeichenstunden aber war ich glücklich,“ erinnert sie sich.

Nach der Lehrzeit konnte sie sich endlich vollständig der Kunst widmen.

„Ich hatte großes Glück, denn ich konnte immer von meiner Kunst leben.“

Christine Schlegel hält die Kreativität für die Wichtigste Fähigkeit der Menschen. „Sie sichert uns unser Überleben und unterscheidet uns vom Tier.“

Und auch, wenn ihre künstlerischen Ausflüge in die Welt der Keramik, der Filme und der Grafik vorerst beendet sind, die Malerei bleibt in ihrem Leben das Wichtigste:

„Ich werde Bilder malen, bis ich nicht mehr kann.“

Tipp:

Ab dem 12. Juli 2012 zeigt die Galerie Kühl eine Ausstellung der Werke von Christine Schlegel . Galerie Kunstausstellung Kühl, Nordstraße 5, 01099 Dresden, Telefon 0351-8045588. Öffnungszeiten: Dienstag – Donnerstag 11 – 18 Uhr, Freitag 11 – 19 Uhr, Sonnabend 10 – 14 Uhr

 

Ulrich Thiem: 60 Jahre mittendrin

Mit sechs Jahren übte er mit seiner Mutter am Klavier den „Tanzbären“ und unkonventionell wie er schon immer war fügte er am Schluss eines Tages noch einen Song von Harry Belafonte dazu: Der Dresdner Cellist Ulrich Thiem hat der Musikwelt schon viele Jahre lang spannende, erstaunliche, virtuose und gelungene musikalische Gratwanderungen geschenkt. „Zwischen Bach und Blues“ ist sein bekanntestes Projekt, seine Mitstreiter Annette Roth (Violine), Friedrich „Friwi“ Sternberg (Klarinette/Saxophon), Jörg Naßler (Gitarre), Andreas Böttcher (Vibraphon/Orgel) und Gitarrist Alejandro Leon sind treue Wegbegleiter.Legendär ist sein Auftritt in der „Scheune“ bei einem Konzert der Flamenco-Tänzerin Bettina la Castano: Uli schnappte sich sein Cello und spielte auf der Bühne Flamenco mit – das erste Mal. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft – mit den spanischen Rhythmen und Gefährten wie Gerald Gürtler, Inma Gómez, Enrique Correa und…… Frau Homberg.

Kaum zu fassen, dass Ulrich Thiem heute seinen 60. Geburtstag feiert. Uli, wir freuen uns auf die nächsten 60 Jahre mit großartigen, musikalischen Erlebnissen zwischen Bach und was immer Dir einfällt! Herzlichen Glückwunsch!

www.bachundblues.de

„Wo Semperoper drauf steht, muss Semperoper drin sein“

Seit der Spielzeit 2010/11 ist Ulrike Hessler die „First Lady“ der Kultur in Sachsen. Claudia Homberg sprach mit der Intendantin der Semperoper für eine kleine Zwischenbilanz.

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