Ein Hauch von Normandie

Monotypie aquarelliert  2011  20,8 x 23 cmMoritz EingangWie ein kleines, eher französisch anmutendes Landhaus steht das sonnig gelbe ehemalige Hinterhaus mit barockem Charme mitten in der Stadt. Umgeben ist das bezaubernde Häuschen von einem einmalig schönen Garten, in dem die Blüten nach Farben geordnet sind und stille Plätzchen zum Verweilen einladen. So mancher Neustadtbewohner steigt auf seinem Weg vom Rad, um diese Pracht beim Blick über den Gartenzaun gebührend bewundern zu können. Der traumhaft blühende Garten und das dazu gehörige Haus sind das Refugium der Graphikerin und Malerin Mirjam Moritz. Drinnen in ihrem Atelier reihen sich farbenfrohe, kleinformatige Bilder aneinander. Oft sind es liebevoll arrangierte Blumen, Alltagsgegenstände, Küchenutensilien. In der Art, wie diese Dinge miteinander in Verbindung treten, entfalten sie ihren Zauber. Jedes Bild scheint eine kleine poetische Geschichte zu erzählen. Und diese Farben! Klar und leuchtend und frisch und irgendwie französisch eben. „Ja, jedes Mal, wenn ich in Frankreich bin, geht mir das Herz auf“, strahlt die Künstlerin. Inspiration für diese zarten Dialoge der Alltäglichkeiten findet sie auch in ihrem Garten: „Manchmal weiß ich nicht, ob ich eine gärtnernde Malerin oder eine malende Gärtnerin bin,“ lacht sie. 2005 kaufte sie gemeinsam mit ihrem Mann das Haus auf dem Dammweg und legte nach der Sanierung den Garten an. Inzwischen sind auch zwei romantische Ferienwohnungen für Gäste darin entstanden. Inspiration findet sie in ihrem unmittelbaren Umfeld und in ihrem Garten, die Motive entstehen im Fluss der Jahreszeiten. „Meist arbeitete ich an mehreren Werken gleichzeitig.“ Die entstandenen Blätter bleiben dann erstmal liegen: „So lange, bis ich frei bin von der Empfindung des ersten Schöpfungsaktes.“ Nach der Inspiration von außen geht sie in den Dialog mit den Bildern. „Das Blatt und ich arbeiten miteinander“

Die Arbeiten von Mirjam Moritz sind in der Galerie Sybille Nütt (Obergraben 10, Dresden) zu sehen und für im Schnitt 110 bis 1200 Euro zu haben. Oder Sie besuchen die Künstlerin donnerstags von 16 bis 19 Uhr. Dann öffnet sie Garten und Atelier für Interessierte. Foto „Pfingstrosen“: Annelie Brux

 

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Strahlende Nordlichter funkeln in der Semperoper

Ein Ballettabend, wie er strahlender nicht hätte sein können: „Nordic Lights“ feierte in der Semperoper Premiere. Ballettdirektor Aaron S. Watkin hatte für diesen mehrteiligen Abend Choreografien von Pontus Lidberg, Johan Inger, Alexander Ekman ausgesucht. Ein Höhepunkt des Abends dann auch gleich zu Beginn die Uraufführung von „Im anderen Raum“ von Pontus Lidberg zur wundervollen Musik von Max Richter. Karge, multimedial sich wandelnde Bühnenräume, in denen die Beziehungsgeschichten spielen. Die „Liebe als Hauptkraft des Universums“ (Rumi) wird zelebriert, gefeiert, verehrt. Tänzerische Begegnungen voller Intensität, fließenden Bewegungen und starker Ausdruckskraft. Einfach hinsetzen, zuschauen, träumen. Perfekt!

In „Walking Mad“ dann von Johan Inger bekommt die Musik von Ravel („Bolero“) eine völlig neue Dimension. Ver-rückte Konstellationen, Pas de Deux, die mehr Ringkämpfen gleichen, spielerisch, witzig, originell und auch jetzt wieder: Perfekt getanzt! Ein Epilog zur Musik von Arvo Pärt gibt dem ganzen Geschehen dann die große Klammer und die Zuschauer bleiben mit einem beklemmenden Gefühl zurück. Bravo!

„Cacti“, die preisgekrönte Choreografie von Alexander Ekman (Musik: Franz Schubert, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven) zeigt dann einen wundervoll amüsierten Blick auf den Umgang mit der Kunst und dem Tanz. Gemeinsam mit einem Streichquartett entwickeln die Tänzerinnen und Tänzer ein mitreißendes rhythmisches Spiel mit aberwitzigen Passagen. Sarah Hay und Jiří Bubeníček sind die glänzenden Solisten, die viel Applaus erhalten. Dass der Rest des Ensembles jedoch dieser Leistung durchaus ebenbürtig ist, zeigt die einzigartige Qualität, die das Semperoper Ballett inzwischen erreicht hat. Und so gebührt das eigentliche Lob dem Ballettdirektor Aaron S. Watkin, der mit seiner Arbeit dem Publikum einen unvergesslichen Abend schenkt.

»Meine künstlerische Vision ist es, Grenzen zu überwinden, die traditionell zwischen klassischem und zeitgenössischem Tanz bestehen, um den Tanz als Krönung beider Stile neu definieren zu können,« sagt Watkin. 

Ulrike Hessler ist tot

Sie wollte sinnliches, musikalisches Theater, Dialog mit dem Publikum, höchstes Niveau auf allen Ebenen. Sie erneuerte, stritt und kämpfte für den traditionsreichen Musentempel an der Elbe: Ulrike Hessler hatte für ihre Intendanz an der Sächsischen Staatsoper Dresden nur zwei Jahre und schaffte es dennoch, der Semperoper in allen Bereichen neue, wichtige Impulse zu geben. Den Kampf um ihre Gesundheit, gegen eine heimtückische und schwere Krankheit, verlor sie jedoch. Die erste Intendantin der Semperoper Dresden, Ulrike Hessler, starb mit nur 57 Jahren am Montagmorgen in München an den Folgen ihrer schweren Krebserkrankung, teilte das sächsische Kunstministerium mit. Möge ihre kraftvolle Vision von der Kunst in Dresden weiterleben!

Die Dresdner Malerin Christine Schlegel: „Ich werde malen, bis ich nicht mehr kann“

Versteckte Geschöpfe zwischen Obstbäumen und Kräutern, ein schmiedeeiserner Pavillon im Gras und der Blick bis weit über die Elbe: Das Zuhause der Malerin Christine Schlegel in Hosterwitz ist verwunschen und inspirierend zugleich.

An der Haustür begrüßt Mischlingshündin Alma die Besucher: „Der Hund kommt aus dem Tierheim und ist etwas verrückt, aber freundlich. Aber es wird noch mit ihr,“ lacht die Künstlerin und kocht einen Tee. In der Küche stapelt sich farbenprächtige Keramik, vor dem Fenster sind verschiedene Glasobjekte sorgsam nach Farbfamilien geordnet. Das Tageslicht bringt Vasen, Kerzenhalter und Glaskugeln zart zum Leuchten.

„Schon als Kind habe ich Farben geliebt. Mein Vater war Maler und Gebrauchsgrafiker und ich bin mit den Farben aufgewachsen.“ Für Laien klingen schon die Namen dieser Töne exotisch und fremd. Und Christine Schlegel nimmt es genau: „Im Lexikon steht, dass Caput mortuum Englischrot ist. Aber Caput mortuum ist bläulicher. Ich liebe auch Krapplack, Deckgrün, die dunklen Töne von Preußisch Blau. Auch Cadmiumgelb ist etwas Wunderbares,“ schwärmt sie.

 

 

 

 

Ein leuchtend gelbes, riesiges Collagenbild schmückt die Wand in ihrem Wohnzimmer. Ihr kleines 1 ½ jähriges Enkelsöhnchen Friedrich sitzt gerne davor und betrachtet es gründlich. „Das scheint er von mir zu haben, diese Blickbegabung“, lacht die Malerin.

Christine Schlegel gehört zu den bekanntesten Dresdner Malerinnen. Sie wurde 1950 in Crossen geboren. Nach einem Studium der Malerei in den 70er Jahren in Dresden und einer ersten Berufstätigkeit als Künstlerin übersiedelte sie 1986 nach West-Berlin,. Weder die staatlich verordnete geistige Enge noch der sozialistische Realismus konnten sie an der DDR überzeugen. „Ich war nie besonders anpassungsfähig. Das war schon als Kind so. Ich kann nicht eingeengt leben.“

In Berlin angekommen arbeitete Christine Schlegel als Malerin und Filmemacherin. Nach dem Fall der Mauer kehrte sie zurück nach Dresden und schuf sich in dem ehemaligen Wochenendhaus der Eltern in Hosterwitz ein neues künstlerisches Refugium.

Von ihren Reisen durch die Welt (Mexiko, Kalifornien, Puerto Rico, Griechenland, Spanien, Italien, Israel) brachte sie die Farben und die Inspiration mit nach Hause, nicht jedoch, ohne ihre eigene Kunst auch in die Welt hinaus zu bringen.

Die so charakteristischen Bilder für Christine Schlegel entstanden am Anfang aus Collagen. Fundstücke, aus Zeitungen, Zeitschriften herausgerissen oder Fotos klebte sie zu collagenartigen Bildern, die sie dann in Ölbilder umsetzte.“

„Heute habe ich die Collagen nur noch in meinem Kopf und male gleich los,“ erklärt sie. „Das Spannende für mich bei meiner Arbeit ist dann, wahrzunehmen, wie mein Unterbewusstsein mitarbeitet und Dinge entstehen lässt, aus Eindrücken, die ich manchmal sogar schon fast vergessen hatte.“ In ihren Bildern findet sich deshalb oft die Absurdität, das Skurrile. „Ich arbeite mit der Methode des Surrealismus. Das eigentliche Abenteuer ist die Beziehung zwischen den Dingen, die auf meinen Werken zu finden sind“.

Ein Junge mit Schiff, tief im Wasser watend, eine Katze mit einer gelben Handtasche, eine Frau, lang ausgestreckt liegend mit einem Hündchen in einer Box.

Es vergehen oft Wochen nach Fertigstellung des Kunstwerks, bis die Malerin dann einen Titel für ihr Bild findet. „Der Titel, das ist dann das i-Tüpfelchen.“

Christine Schlegel arbeitet mit Ölfarben. Der Betrachter wird sofort von Leuchtkraft und Intensität der in den Bann gezogen.

„Ölfarben sind für mich das Beste. Schon der Geruch – wunderbar. Ölbilder haben etwas von Ewigkeit,“ findet die Künstlerin.

„Mir fehlt es nie an Ideen. Die Absurdität ist im Leben ja bereits vorhanden, ich brauche es nur auf die Leinwand zu bringen“, lacht sie.

Niemals hätte sie sich einen anderen Beruf vorstellen können. Aber es gab auch harte Zeiten:

„Ich hab Dekorateurin bei der HO gelernt, da habe ich jeden Abend geheult.“

Um diese Zeit zu überstehen, nahm sie abends an einem Zeichenzirkel teil. „Wir malten ein Brettchen, ein Messer und eine Zwiebel aus allen möglichen Perspektiven. Ich sehe es noch genau vor mir. In diesen Zeichenstunden aber war ich glücklich,“ erinnert sie sich.

Nach der Lehrzeit konnte sie sich endlich vollständig der Kunst widmen.

„Ich hatte großes Glück, denn ich konnte immer von meiner Kunst leben.“

Christine Schlegel hält die Kreativität für die Wichtigste Fähigkeit der Menschen. „Sie sichert uns unser Überleben und unterscheidet uns vom Tier.“

Und auch, wenn ihre künstlerischen Ausflüge in die Welt der Keramik, der Filme und der Grafik vorerst beendet sind, die Malerei bleibt in ihrem Leben das Wichtigste:

„Ich werde Bilder malen, bis ich nicht mehr kann.“

Tipp:

Ab dem 12. Juli 2012 zeigt die Galerie Kühl eine Ausstellung der Werke von Christine Schlegel . Galerie Kunstausstellung Kühl, Nordstraße 5, 01099 Dresden, Telefon 0351-8045588. Öffnungszeiten: Dienstag – Donnerstag 11 – 18 Uhr, Freitag 11 – 19 Uhr, Sonnabend 10 – 14 Uhr

 

Kunst shoppen

Zum 2. Mal findet jetzt der SZ-Kunstmarkt statt: Etwa 30 Künstler wollen hier ihre Arbeiten persönlich anbieten. Dabei: Zeichner Holger John, Malerin Angela Hampel, Bildhauer Thomas Reichstein und der Fotograf Lothar Sprenger. Gregor Kunz, lange Zeit Autor der SZ, präsentiert Collagen. Auch Konstanze Feindt-Eißner, Einhart Grotegut, Gerald Schädlich, Michael Lange und Lutz Fleischer  sind erneut mit von der Partie.
SZ-Kunstmarkt, 5. Mai, 10 – 16 Uhr im Haus der Presse, Ostra-Allee 20. Eintritt ist frei.

Fast ein Schnappschuss

Ein bisschen Edward Hopper, ein bisschen David Lynch: Die Bilder des bekannten Dresdner Fotokünstlers Werner Lieberknecht erzählen Geschichten bei denen man nie genau weiß, wie sie ausgehen. Ist das Paar auf dem Foto verliebt oder trennen sie sich gerade, sieht der Voyeur hinterm Baum einem Liebesspiel zu oder einem Gewaltverbrechen?

„Das Spielerische interessiert mich beim Fotografieren,“ sagt Werner Lieberknecht, der eigentlich Physiker werden wollte, bevor er seine Leidenschaft für die Fotokunst entdeckte.

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