Mit Einstein nach Paris 

  

„Wenn eine Idee nicht zuerst absurd klingt, gibt es keine Hoffnung für sie“. Dieses Zitat stammt von Albert Einstein. Ich mag Albert Einstein. Auch, wenn ich mit theoretischer Physik gar nichts, aber auch rein gar nichts am Hut habe. 

Ich mag auch absurde Ideen. Inzwischen. Ich hatte mich  jedoch weder mit Albert Einstein, noch mit theoretischer Physik und auch nicht mit absurden Ideen befasst, als ich mich mit so ungefähr 10/11 Jahren nachts in einem Auto auf dem Weg nach Paris befand. Es war kein gewöhnliches Auto. Es war ein feuerroter Ford Capri mit schwarzem Dach und ordentlich PS unter der Haube. Aber wenig Kofferraum. Sehr wenig Kofferraum. Deshalb hatte ich im Fußraum vor mir eine ganze Batterie von Schuhen – einzeln verpackt in Plastiktüten. In meinem Genick hatte ich, wenn ich mich anlehnen wollte, den Bogen meines Bruders. Damals konnte man Sportbögen noch nicht auseinanderschrauben. Deshalb konnte ich mich auch nicht anlehnen. Wir kamen trotzdem in Paris an. Der Portier des Paris Hilton (nicht die Frau, sondern ja – das Hotel!) staunte nicht schlecht, als wir, karawanengleich, bepackt mit Tüten, Koffern und Bogenausrüstung in die Lobby einzogen. Er sah ein bisschen angewidert aus. Ich hatte Nackenschmerzen. Ein Ford Capri hat wenig Kofferraum. Und ich hatte Hunger. Und ich war müde. Alle hatten Hunger und waren müde. Eine Portion Pommes – die sind doch französisch oder? wäre toll  ewesen. Wir aßen Pommes soufflé, das sind Pommes mit viel Luft drin, die aussehen wie kleine, aufgeblasene Ballons. Die Kellner waren auch aufgeblasen. Ich glaube, wir trugen immer noch unsere Turnschuhe, weil wir nichts anderes mithatten. Ich bin trotzdem satt geworden. Es gab einen herrlichen Blick über die Dächer der Stadt und ein funkelndes Lichtermeer. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Ich teilte mir mit meinem Bruder Peter ein Bett. Kein Problem, er war zwar lang, aber nicht breit. Wir teilten auch eine Bettdecke. Das war ein Problem. Er hatte mehr Kraft. Meistens gewann er die Bettdecke. In den nächsten Tagen entdeckten wir bei atemberaubend schönem Wetter die Stadt. Wir gingen zu Fuß von Sacre Coeur quer durch Paris, bis uns trotz Turnschuhen die Füße schmerzten. Wir entdeckten Monmartre, kleine Cafés und ich bekam mein erstes Parfum. In einer Pariser Parfümerie, die für mich so prächtig und glamourös wie ein Schloss aussah. Das Parfum hieß Miss Dior. Die Nackenschmerzen waren weg.  Wunderbare Tage, die mit einer absolut absurden Idee. 

Wie gesagt, ich mag absurde Ideen. 

(Meinem Vater zum 80. Geburtstag) 

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Etwas verrückt geht immer…

Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt“, befand Mark Twain (1835-1910), der große amerikanische Schriftsteller.

 

Und so gönnen wir uns doch hin und wieder ein wenig Ver-Rücktheit, kultivieren das Besondere, Ungewohnte, Neue, Unbekannte und verlassen die eingelaufenen Bahnen, um andere Standpunkte einnehmen zu können. Für Kulturinteressierte ist jeder Theaterabend, jedes Konzert, jedes Event so ein kleiner Ausbruch aus dem Normalen, der uns ein Stück weit „verrücken“ kann.

Ganz in diesem Sinne sollten Sie auch in diesem Jahr sollten Sie auf keinen Fall „Klassik picknickt“ verpassen. Ich für meinen Teil stehe nämlich total auf Picknick im Grünen!

Die Staatskapelle schlägt diesmal mit diesem einzigartigen Konzert auf den Wiesen vor der Gläsernen Manufaktur die Brücke von Europa nach Amerika – und dies gleich in mehrfacher Hinsicht: zunächst mit dem aus Polen stammenden Wojciech Kilar, der besonders für seine grandiosen Filmmusiken bekannt ist. Von ihm erklingt „Orawa“, ein furioses Orchesterwerk, das einfach nur Spaß macht.

Außerdem steht Samuel Barbers hinreißend lyrisches Violinkonzert auf dem Programm und Antonín Dvořáks neunte Symphonie aus der „Neuen Welt“.

Diesmal steht Krzysztof Urbański am Pult, Solist ist der serbische Geiger Nemanja Radulović.

 18.6., 20 Uhr, Gläserne Manufaktur, mit Glück Restkarten.

 

Und das Beste: Das Bistro Lesage in der Gläsernen Manufaktur  bietet für das Konzert inzwischen sogar fertige Picknick-Körbchen mit wundervollen Köstlichkeiten an. Sie müssen also nur noch die Picknick-Decke selbst einpacken! Viel Spaß dabei!

Eine große Liebe aus New York

Unvergessene Klassiker und der Sound von New York: Wie kaum ein anderes Werk vereinte Gershwins „Porgy and Bess“ große spätromantische Opernklänge mit dem flirrenden New Yorker Blues- und Swing-Sound der 30er Jahre. Wohl keine andere Oper hat mit Klassikern wie „Summertime”, „It Ain ́t Necessarily So” oder „I Got Plenty O ́ Nuttin’“ so viele Jazz- Standards hervorgebracht wie „Porgy and Bess“. Große Stimmen wie Ella Fitzgerald oder Billie Holiday machten die Melodien auch jenseits der Opernbühne unsterblich.

Die Story ist so schön und gleichzeitig schmerzvoll, dass „Porgy and Bess“ locker an die Dramatik der großen Opern herankommt. Auch die Musik ist fantastisch: Nach großen, stimmgewaltigen Chorszenen schaffen aufwühlende Arien und innige Duette intime, emotionale Momente. Es geht  um die Liebe des Bettlers Porgy zu der leichtlebigen Bess. Als die leichtherzige Bess eine Zuflucht sucht, bietet Porgy seine bescheidene Bleibe an. Die beiden werden ein Paar, aber ihr zerbrechliches Glück ist schon bald bedroht.

Jetzt kommt das selten gespielte Meisterwerk um Sehnsucht und Verführbarkeit auch nach Dresden. Das Publikum darf sich zur „Summertime“ auf das Gastspiel des New York Harlem Theatre freuen: Die weltweit gefeierte Inszenierung mit nahezu 50 stimmgewaltigen Darstellern und klangstarkem großen Orchester ist in der Dresdner Semperoper (14. – 31.07.2016) zu Gast, Eintritt: 20 bis 99 Euro.