Sinnliche Hommage an Dalí

An den Landesbühnen in Radebeul begeisterte mich ein zweiteiliger Tanzabend zum Thema Surrealismus: „D.A.L.I. – Die Allmacht lärmender Intuition & Des Abends lustvolle Imagination“ nahm sich des großen Malers Salvador Dalí an und beleuchtete sein Schaffen, seine Ideen, seine Werke auf unterschiedliche Weise.
Ballettchef Carlos Matos hatte den ersten Teil choreographiert, sein Kollege Massimo Gerardi schuf den zweiten Teil.
Matos‘ choreografische Handschrift ist durchaus sinnlicher und bildhafter als die seines Kollegen: Da quillt ein Tuch mit Dalís Malerei aus einem Wandbild, da „essen“ sich Liebende mit Gabeln, stehen Tänzer auf Stäbe gestützt im Raum wie die Figuren auf Dalís Werken. Traum und Wirklichkeit verschmelzen zu schönen und surrealen Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben.
Bei Gerardi ist die Bildsprache deutlich abstrakter und kühler, die Tänzer wirken wie lebende Skulpturen, die Szenerie hat durchaus Ähnlichkeit mit den Filmen von David Lynch.
Fazit: ein gelungener Abend, toll getanzt, zwei unterschiedliche künstlerische Handschriften zu einem Thema. Schlüssig, packend, sehenswert!

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„Hätte ich doch, ach…“

Mit der Inszenierung des „Faust“, Nationalheiligtum der Deutschen, geschrieben von Johann Wolfgang von Goethe, kann man sich eigentlich nur in die Nesseln setzen. Insofern hatte Regisseur Linus Tunström leichtes Spiel im Schauspielhaus. Wobei sein Ansatz gar nicht so unspannend ist: Er vierteilt die Figur des Doktor Faust, siedelt die Handlung in den trostlosen Räumen eines Krankenhauses mit fahlem Licht und Lautsprecherdurchsagen an. Zweifellos ein Ort, an dem Leben und Sterben ganz dicht beieinander liegt und wo existenzielle Fragen alltäglich sind.
Hannelore Koch, Peter Pagel, Tom Quaas und Torsten Ranft geben den Sinnsucher Faust, der Mephisto ist zweigeteilt und wird von Rosa Enskat und Jan Maak gespielt. Da spielt sich das pralle Leben ab – es stirbt ein Kind durch die Hand der Mutter (im Original ist es die Mutter Gretchens, die das zeitliche segnet), da taucht ein echter Pudel auf der Bühne auf (wäre auch durchaus verzichtbar gewesen), da fallen die Hüllen, da wird geliebt und gelitten. Das ist spannend gemacht und bietet durchaus neue Einblicke in den bekannten Stoff. So richtig begeistert allerdings hat mich der Auftritt von „Putzfrau“ Gretchen (Christine Hoppe), in deren Spiel sich die Essenz des grandiosen Stoffes zu verdichten scheint.
Fazit: Wer den alten Stoff wirklich anders erleben will und sich bereitwillig auf Neues einlassen mag, ist hier perfekt richtig.