Klingt nach Indian Summer

Kurzmitteilung

Aimee Mann gehört mit Künstlerinnen wie Heather Nova und Tori Amos zu den faszinierenden Songwriterinnen der Gegenwart. Alle drei drücken gekonnt und tiefgehend ihre innersten Gefühle aus. Themen wie Liebe, Melancholie, Selbstzweifel, Unsicherheit, aber auch Hoffnung und Kraft bewegen sich traumwandlerisch durch ihre Texte und Musik. Doch weil Aimee immer ein bisschen gegen den Strom der mächtigen amerikanischen Musikindustrie schwimmt, ist sie hierzulande nicht ganz so bekannt wie Ihre Kolleginnen. Aber reinhören lohnt sich: Die Musik von Aimee Mann klingt nach einem klaren Morgen im amerikanischen Indian Summer. Wunderbar! Jetzt kommt die US-amerikanische Singer-Songwriterin, Bassistin und Gitarristin wieder einmal nach Deutschland.

12. November, 20 Uhr, Lukaskirche, Eintritt: 37,50 Euro.

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Strahlende Nordlichter funkeln in der Semperoper

Ein Ballettabend, wie er strahlender nicht hätte sein können: „Nordic Lights“ feierte in der Semperoper Premiere. Ballettdirektor Aaron S. Watkin hatte für diesen mehrteiligen Abend Choreografien von Pontus Lidberg, Johan Inger, Alexander Ekman ausgesucht. Ein Höhepunkt des Abends dann auch gleich zu Beginn die Uraufführung von „Im anderen Raum“ von Pontus Lidberg zur wundervollen Musik von Max Richter. Karge, multimedial sich wandelnde Bühnenräume, in denen die Beziehungsgeschichten spielen. Die „Liebe als Hauptkraft des Universums“ (Rumi) wird zelebriert, gefeiert, verehrt. Tänzerische Begegnungen voller Intensität, fließenden Bewegungen und starker Ausdruckskraft. Einfach hinsetzen, zuschauen, träumen. Perfekt!

In „Walking Mad“ dann von Johan Inger bekommt die Musik von Ravel („Bolero“) eine völlig neue Dimension. Ver-rückte Konstellationen, Pas de Deux, die mehr Ringkämpfen gleichen, spielerisch, witzig, originell und auch jetzt wieder: Perfekt getanzt! Ein Epilog zur Musik von Arvo Pärt gibt dem ganzen Geschehen dann die große Klammer und die Zuschauer bleiben mit einem beklemmenden Gefühl zurück. Bravo!

„Cacti“, die preisgekrönte Choreografie von Alexander Ekman (Musik: Franz Schubert, Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven) zeigt dann einen wundervoll amüsierten Blick auf den Umgang mit der Kunst und dem Tanz. Gemeinsam mit einem Streichquartett entwickeln die Tänzerinnen und Tänzer ein mitreißendes rhythmisches Spiel mit aberwitzigen Passagen. Sarah Hay und Jiří Bubeníček sind die glänzenden Solisten, die viel Applaus erhalten. Dass der Rest des Ensembles jedoch dieser Leistung durchaus ebenbürtig ist, zeigt die einzigartige Qualität, die das Semperoper Ballett inzwischen erreicht hat. Und so gebührt das eigentliche Lob dem Ballettdirektor Aaron S. Watkin, der mit seiner Arbeit dem Publikum einen unvergesslichen Abend schenkt.

»Meine künstlerische Vision ist es, Grenzen zu überwinden, die traditionell zwischen klassischem und zeitgenössischem Tanz bestehen, um den Tanz als Krönung beider Stile neu definieren zu können,« sagt Watkin. 

Barockes Schlachtfeld mit Musik

Semiopera klingt erstmal so, als sei es nichts Halbes und nichts Ganzes. Weder Schauspiel noch Musiktheater, weder Fisch noch Fleisch. Doch was da zum 100. Geburtstag des Dresdner Schauspielhauses Premiere feierte, war allemal einen Theaterbesuch wert. Für „King Arthur” vereinen Schauspielhaus und Semperoper ihre Kräfte.

Die Semi-Oper „King Arthur“ entstand 1691 mit der Musik von Henry Purcell und dem Text von John Dryden. In dieser englischen Barockoper werden Schauspiel, Oper und Tanz munter miteinander gemixt.

Die Musik erklingt vom Prager Ensemble Collegium 1704 luftig leicht auf historischen Instrumenten unter der musikalischen Leitung von Felice Venanzoni. Die singenden Darsteller aus dem Opernbereich – allen voran Nadja Mchantaf als Emmelines Dienerin sowie als Sirene und Venus, dazu Arantza Ezenarro als Luftgeist, She und weitere Sirene – kooperieren perfekt mit dem Sprecherensemble um die bezaubernde Johanna Schwertfeger vom Burgtheater als Emmeline, Matthias Reichwald (King Arthur), Christian Erdmann (Oswald), Benjamin Pauquet (Osmond) und den Ensemblemitgliedern.

Mich begeisterte das karge Bühnenbild von Karoly Risz, das den überzeugenden Hintergrund für ein Schlachtengemälde vom Feinsten liefert. Lange goldene Stoffbahnen wehen sinnlich über die Bühne, verwandeln die Szene mal in einen Wald, einen Kampfplatz oder in ein Separee. Unter der Regie von Tilman Köhler führt hier König Arthur Krieg gegen den sächsischen König Oswald. Aber nicht nur auf dem Schlachtfeld sind Arthur und Oswald Gegner, sondern auch in der Liebe: Die schöne und blinde Emmeline ist Arthur versprochen, doch ihre Schönheit hat auch Oswald betört.

Das Ensemble in den Kostümen von Susanne Uhl hält das Publikum zwar in Atem, trotzdem müssen die Zuschauer mit einigen Längen ringen.

Aber wer durchhält, kann schlussendlich eine märchenhafte Geschichte über Krieg, Liebe und Zauberei erleben, bei dem die Genres kunstvoll miteinander verwoben werden. Diese Inszenierung ist wirklich sehr eigenständig und besonders – ein Theaterabend mit Musik, den ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

Carmen lebt!

Eigentlich habe ich nicht viel von der neuen Inszenierung des Opernknüllers „Carmen“ in der Semperoper erwartet. Zu oft schon gab es auf Opern- und Theaterbühnen „Carmen“-Fassungen zu sehen, in denen die Titelfigur zur Farce verkommt und der Rest der Handlung zum Klischee verflacht. Umso größer war meine Freude nach der Inszenierung von Axel Köhler. Der Regisseur hat sich die Beziehungen der Figuren untereinander genau angeschaut, die archetypischen Eigenschaften schön herausgearbeitet, auf das gekonnte Spiel seiner Protagonisten gesetzt und schafft so einen Opernabend, der die Zuschauer annähernd vier Stunden voll unter Strom setzt.
Anke Vondung ist eine Carmen, die mit großem Selbstbewusstsein, Charisma, Eleganz, Sex-Appeal und ihrer wunderbar-warmen Stimme nicht nur die Männerwelt begeistert. Die allerdings liegt ihr zu Füßen und sicherlich nicht nur auf der Bühne. Nach dieser Glanzrolle bekommt sie vermutlich waschkörbeweise Fanpost. Endlich mal eine Carmen, der man abnimmt, dass der spießige Soldat Don José wegen ihr zum Verbrecher und sogar zum Mörder wird. Tenor Arnold Rutkowski gibt den Soldaten mit dem gebrochenen Herzen überzeugend – sowohl stimmlich als auch darstellerisch.
Wundervoll auch Nadja Mchantaf als Micaëla, die ein krasser Gegenentwurf zur stolzen Lebefrau Carmen ist.
Hinreißend inszeniert ist der Auftritt von Ober-Macho Escamillo (Kostas Smoriginas). Drei völlig verausgabte Frauen pflastern seinen Weg auf die Bühne.
Die wiederum besteht im wesentlichen aus dem Rund einer Arena, die mal beengt ist und mal weit, innen glutrot und außen aschgrau einen gekonnten Spiel-Raum abgibt.
Bei diesem genauen Blick auf die Figuren verzeiht man dem Regisseur auch die überflüssigen Schnörkel wie festlich gekleidete Picadores und die in Teilen etwas steif anmutenden Tanzszenen.
Auch die Kapelle unter Josep Caballé-Domenech haben wir schon mal in besser gehört. Klappern sollte es bei so einem bekannten Werk in dieser Liga eigentlich nicht.
Fazit: „Carmen“ lebt – und man muss sie gesehen haben.
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