Von den Engeln….

„Von den Engeln getragen in Abrahams Schoss“ war das Motto des gestrigen Konzertes der Philharmonie im Rahmen der Musikfestspiele in der Frauenkirche. Der große Maestro Sir Neville Marriner stand am Pult der Dresdner, Solist des Abends war Wolfgang Hentrich, der auf seiner Geige zauberte und das Publikum teils zu Tränen rührte. Auf dem Programm standen Ralph Vaughan Williams „Five Variants of „Dives and Lazarus“ als Epilog. Dann folgte Hamilton Hartys Konzert für Violine und Orchester d-Moll. Ein leider recht selten aufgeführtes Werk des Iren, das Sir Neville Marriner besonders am Herzen lag. Kein Wunder: Die Töne, die Hentrich seiner Geige entlockte, klangen wie nicht von dieser Welt.
Während gegenüber der Frauenkirche im Hotel Hilton die Fußballfans beim
Champions League-Finale fieberten, schwebte das Publikum in der Frauenkirche nach dem Konzert förmlich 10 Zentimeter über dem Boden wie „von Engeln getragen“ ins Freie.
Dieses Konzert war deutlich ein weiterer Höhepunkt der Dresdner Musikfestspiele, die unter anderem mit den New Yorkern und dem großartigen Konzert der Academy of St. Martin in the Fields mit Joshua Bell in der Semperoper dem Publikum bereits einige Sternstunden der Musik bescheren konnten. Da capo!

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Tausche Lachen gegen Geld oder Wie Timm Thaler bei Schülern ankommt

Gestern ging im Theater Junge Generation das Stück „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ über die Bühne. Die 7. Klasse des Landesgymnasiums für Musik war dabei und schrieb gemeinsam eine Kritik über die Vorstellung. Hier ihre Rezension:

Waisenkind Timm hat eigentlich nichts mehr zu lachen – trotzdem ist ihm seine Lebensfreude nicht verloren gegangen. Denn er hat ja seine Musik. Wenn er auf seiner Gitarre selbst komponierte Songs spielt und singt, liegt ein Leuchten auf seinem Gesicht. Genau auf dieses Strahlen hat es der zwielichtige Baron Lefuet abgesehen. Er überrumpelt den Jungen und schließt einen Vertrag mit Timm. Lefuet verspricht ihm, dass er von nun an jede Wette gewinnen wird. Im Gegenzug überlässt Timm dem Baron sein Lachen. Zu leichtsinnig: Timm kann nun keine Freude mehr am Leben empfinden.

Mit kleinen Gags inszeniert Regisseur Dominik Günther James Krüss´ berühmtes Jugendbuch mit einem multifunktionalen Bühnenbild, viel Musik, lokalen Anspielungen und einem spielfreudigen Ensemble. Die schlichte Stahlkonstruktion auf der Bühne ist ebenso Timms Wohnung, das Schloss des Barons, die Pferderennbahn als auch ein Schiff.

Publikumsliebling ist schnell der gutmütige Kreschimir (Charles Ndong). Auf Platz 2 in der Gunst der Schüler eindeutig Gregor Wolf als schleimiger Diener Anatol und „Supergirl“ Selek Bei (Sara Klapp). Strahlemann Timm (Simon Delfs) überzeugt durch Akrobatik und Ausstrahlung.

Alles in allem fanden wir das Stück schlüssig erzählt und tatsächlich regt es zum Nachdenken an, wieviel einem vielleicht auch das eigene Glück wert ist. Das hat der Regisseur prima gemacht. Einzig die Debatte über den Buttermarkt lässt das überwiegend junge Publikum im TJG am Donnerstag Morgen gähnen….Hier hätte Straffung Wunder gewirkt.

Schön ist die Durchsetzung der Geschichte mit Musik, spannend auch die Musiker von „Testsieger“ auf der Bühne, die Effekte live sichtbar machen. Allerdings: An manchen Stellen geht die laute Musik doch sehr auf empfindliche Ohren und das (verstärkte) Kreischen von Selek Bei ist stark gewöhnungsbedürftig.

Alles in allem hatten wir einen schönen, lustigen und spannenden Theatertag und vergeben in der Gesamtbewertung 3 von 4 Sternen.

Die Klasse 7 des Landesgymnasiums für Musik Carl Maria von Weber.

Furioser Auftakt der Musikfestspiele

Mit einem glanzvollen Konzert eröffneten das New York Philharmonic unter Alan Gilbert gestern Abend die 36. Dresdner Musikfestspiele. Der Abend begann mit Mozarts beschwingter Sinfonie Nr. 36. Im Zentrum des Abends stand Ernest Blochs eindringliche Komposition „Schelomo“. Den Solopart auf dem Cello übernahm Intendant Jan Vogler. In der dreiteiligen Komposition übernimmt das solistische Violoncello quasi die Stimme des Königs Salomo, während das Orchester die ihn umgebende Welt darstellt. Der Charakter der Musik ist hochexpressiv, gewaltig und mitreißend und die New Yorker schwelgten in einem enormen Farbenreichtum. Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ in der Orchestrierung Ravels beendeten den furiosen Abend, bei dem als Zugaben auch noch ein Auszug aus Puccinis „Manon Lescaut“ erklang und die Bläser zuletzt auch noch allerfeinsten Dixieland jazzten, bevor das begeisterte Publikum in der Semperoper die Musiker von der Bühne ließ.

Noch bis zum 2. Juni will Intendant Jan Vogler sein Publikum in die Klangwelten des „Empire“ abtauchen lassen. Die „Musikinsel England“ steht im Mittelpunkt des Festivals 2013 und beschert den Dresdnern und ihren Gästen zahlreiche namhafte Solisten und große Klangkörper.

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Furios: Jan Vogler am Cello und Alan Gilbert am Dirigentenpult der New York Philharmonic.

Foto: Chris Lee

Die Erschütterung der Sinne

Das darf man nicht verpassen: Mit einem Bilderfest verabschiedet sich Direktor Ulrich Bischoff von der Galerie Neue Meister. Gemeinsam mit Luc Tuymans präsentiert er in der Sonderaustellung „Constable, Delacroix, Friedrich, Goya – Die Erschütterung der Sinne“ das Rendezvous eines Quartetts von Künstlern, die unabhängig voneinander im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts der Malerei neue Impulse gaben. Die Auswahl der vier Namensgeber orientiert sich an deren Schubkraft. Für Ulrich Bischoff sind sie „Lokomotiven, die ganze Züge von anderen Künstlern angeschoben haben“, bis heute.

Die Schau beweist Mut zur Lücke und lädt die Zuschauer ein, sich von ihren Sinnen leiten zu lassen. Durchschlendern, Kunst atmen, Inspiration tanken. Purer Farbenrausc oder riesige Schwarz-Weiß-Fotografien, eine herausforderne Installation in einem stockfinsteren, abgetrenntem Raum – hier werden die Sinne wahrlich nach allen Regeln der Kunst erschüttert. Mein Lieblingsbild hängt im zweiten Raum: „Morning Sun“ zeigt die Morgensonne als kühles Lichtphänomen durch gebrochene Scheiben. Ein Traum in Pastellfarben, den Luc Tuymans 2011 auf einem monumentalen Gemälde festgehalten hat.

Galerie Neue Meister im Albertinum, geöffnet: 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Eintrittspreis normal: 10,00 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro. Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren: frei. Eingang über Brühlsche Terrasse oder Georg-Treu-Platz.