Charmanter Romeo mit Mafiosi-Chic

 Es ist die berühmteste Liebesgeschichte der Welt, für die sich am Freitag Abend der Premierenvorhang in der Semperoper hob: Shakespeares „Romeo und Julia“, als Ballett zur Musik von Sergej Prokofjew.

Wenn am Anfang, mit Beginn der eindrucksvollen -Ouvertüre die Scheinwerfer hart und grell auf das Publikum gerichtet werden, ist klar: Diese Geschichte betrifft uns alle. Wir sind daran beteiligt. Jeder ist schuld, der nicht imstande ist, dem anderen zur Versöhnung die Hand zu reichen.

Ein schöner Kunstgriff, der jedoch fast nicht nötig gewesen wäre, denn die Bilder, die Choreograf Stijn Celis schafft, machen dies ohnehin schon klar.

Vor modernen Designer-Fassaden spielt diese unsterbliche Geschichte von der Liebe, die stärker ist, als der Tod.

Elegant gestylte Menschen leben hier, denen der schöne Schein wichtiger ist , als die Menschlichkeit.

„Fare bella figura“ heißt es in Italien so schön, was soviel heißt wie, „hoffentlich sehen wir gut dabei aus“.

Die Kostüme von Catherine Voeffray zeigen die Schönen und die Reichen mit einem Hauch von Mafiosi-Chic.

Zwischen den glatten Häuserfronten entspinnt sich diese zarte Liebesgeschichte zwischen Julia, Töchterchen aus gutem Hause, und ihrem kraftvollen Romeo.

Hinreißend, wie Julia Weiss die zarte, ätherisch anmutende Julia tanzt. Demgegenüber steht der athletische, leidenschaftliche Romeo von Jiří Bubeníček, kraftvoll und mitreißend getanzt.

Eindringlich sind auch die Gruppenszenen, die ihre Kraft aus einfachen Bewegungen und großer Dymanik schöpfen. Wenn die Capulets und die Montagues sich unversöhnlich gegenüber stehen, entwickeln sich Bilder, die das Publikum nicht so schnell vergessen wird.

Herausragend auch die Pas de deux und Soli, Tybalt (Fabien Voranger) und Mercutio Jón Vallejo) werden zu Publikumslieblingen.

Zu Recht erhalten Company, Solisten und Regieteam am Ende Jubel und Bravos vom Publikum.

Einzig bei der Musik blieben Wünsche offen. Die NDR-Radiophilharmonie ist eben nicht die Staatskapelle. Zu wenig subtil in den zarten Passagen und zu bombastisch in den Fortissimos spielt das Orchester unter Paul Connelly.

Trotzdem: Unbedingt sehenswert!

Advertisements

Einmal Damaskus und zurück….

Ein viel zu langer, viel zu dunkler Winter, nicht enden wollender Schnee – die Welt sieht mehr nach Weihnachten aus, als nach Ostern. Ich sehne mich nach Wärme, Licht und Farben – und bin definitiv nicht allein mit meinem Verlangen. Und so führt mich meine Suche nach Abwechslung vom Grauweiß und einem Hauch von südlichem Flair ins Dresdner Damaskuszimmer. Ein stiller, dunkler Ort, an dem die prächtigen Farben des Orients eindrücklich leuchten. Das Damaskuszimmer gehört zu den ganz wenigen osmanischen Zimmern, die heute noch in Museen außerhalb des Orients zu finden sind. Karl Ernst Osthaus, der Gründer des Folkwang-Museums Essen, hatte das Zimmer erwerben lassen und so gelangte es im Jahre 1899 von Damaskus nach Deutschland. Nach Osthaus‘ Tod wurde das Zimmer dem Dresdner Völkerkundemuseum geschenkt.

Stickereien, florale Ornamente und geheimnisvolle Schriftzeichen auf kostbaren Stoffen und Teppichen entführen die wenigen Besucher nach Westasien. Das zentrale Exponat der Ausstellung ist der prächtige Empfangsraum eines vornehmen Damaszener Wohnhauses. Ich gebe mich im Anblick der reich dekorierten, orientalischen Holzvertäfelungen meinen Gedanken hin….verliere mich in orientalische Träumereien…

Durch die Holzsprossenfenster weht ein Hauch von Hitze. In die Stille der ferne Ruf des Muezzin…Auf Seidenstoffen blühen leuchtende Blüten….Obstschalen präsentieren saftige Früchte. Geheimnisvolle Inschriften erzählen Geschichten aus längst vergangenen Tagen.

Stimmengemurmel erklingt in dem Zimmer. Der Duft orientalischer Gewürze lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Hier wurden einst Gäste empfangen und mit feinsten Speisen bewirtet….zahllose Tellerchen mit Mezzeh werden klappernd auf den zartfarbigen Teppich gestellt, die traditionellen arabischen Vorspeisen. Es wird gegessen und gelacht, Wasserpfeife geraucht und Mokka getrunken.

Später werden Geschichten erzählt, die Gäste lagern auf Teppichen und Kissen. Ich lege mich einfach dazu und lausche einer sinnlichen Geschichte aus 1001 Nacht….

Als ich die Augen öffne, bin ich wieder allein, sitze staunend und still auf der Lederbank vor dem Dresdner Damaskuszimmer. Nur geträumt zwar, aber jetzt kann ich dem eiskalten sächsichen Wind auf der Straße besser trotzen und die Schneeflocken im meinem Haar leichter ertragen. Einmal Damaskus bitte…

 

Museum für Völkerkunde Dresden
Japanisches Palais
Palaisplatz 1

Öffnungszeiten

täglich 10-18 Uhr
montags geschlossen

Eintrittspreise
Eintritt 2,50 EUR
ermäßigt 2,00 EUR

freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren

Und Puccini nervt…

Wir wissen es alle: Komponist Giacomo Puccini quält seine Heldinnen. „Butterfly“ bringt sich um, „Tosca“ stürzt sich von der Engelsburg, Mimi aus „La Bohéme“ verröchelt an Schwindsucht. Jetzt war „Manon Lescaut“ dran. Die Arme. Nur, weil sie einen jungen, hübschen Liebhaber hat, wird sie in die Verbannung geschickt. In der Wüste verdurstet sie elend in den Armen ihres treuen Lovers. In der Semperoper hob sich jetzt der Premierenvorhang für die Puccini-Oper „Manon Lescaut“.

Regisseur Stefan Herheim lässt das Drama vor der Baustelle zur Freiheitsstatue spielen (Bühnenbild: Heike Scheele). Kupfern glänzt der Kopf von Miss Liberty. Geschäftig sind die Arbeiter auf Gerüsten unterwegs. Die „feine Gesellschaft“ taucht in grünspan-blassen Kostümen auf, die an Barock erinnern (Kostüme: Gesine Völlm). So weit, so gut. Aber dann stört ein pantomimisch agierender Herr mit Melone immer wieder die Handlung, verteilt Textblätter und Skripte. Achso, das soll also Herr Puccini sein, der seine Figuren in immer neue Seelenqualen stürzt. Nun, das kann man sicher machen. Schade nur, dass die wirklich großen Momente der intensiven Oper dadurch einfach gestört sind. Denn wenn Manon eigentlich in den Armen ihres Liebsten stirbt und sie ein bewegendes Duett singen sollten, ist es jetzt der stumme Herr Puccini, der bei ihr ist. Dadurch erreichen die berührendsten Momente der Oper bestenfalls konzertante Qualität. Kaum zu glauben, dass Puccini das gefallen hätte.

Die musikalische Qualität des Abends ist hingegen überragend: Christian Thielemann am Pult der Staatskapelle zaubert Großes. Als Manon ist die wunderbare Sopranistin Norma Fantini mit kraftvoller und weicher Stimme zu erleben, die vom Publikum stürmisch gefeiert wird. Auch Lescaut (Christoph Pohl) und Geronte (Maurizio Muraro) konnten überzeugen. Manons studentischer Liebhaber hingegen wird von Thiago Arancam, einem jungen italo-brasilianischem Tenor gegeben, der mit weichem Timbre und seelenvollen Ausdruck berührt. Leider war dies nicht sein Tag. Er wirkte beengt im ersten Akt, in der das Publikum bedauerlicherweise auf den Arien-Kracher „Donna non vidi mai“ wartet. Der sympathische Tenor musste dafür am Ende der Premiere ein Buh-Konzert ertragen. Tragisch.

Alles in allem: Ein absolut sehens- und hörenswerter Opernabend, den man nicht verpassen sollte. Und Thiago Arancam drücken wir die Daumen für die nächste Vorstellung!