Madama Butterfly darf wieder leiden

Kein Zweifel: Giacomo Puccini liebte es, die Heldinnen seiner Opern zu quälen. Allen natürlich voran die schöne japanische Geisha Cio-Cio-San genannt „Butterfly“. Das Werk „Madama Butterfly“ lebt von hinreißend schönen Arien und der dramatischen Leidensgeschichte der Heldin.

Jetzt kommt die berühmte Liebestragödie „Madama Butterfly“ in der Inszenierung von Annette Jahns ab Freitag, den 30. November wieder auf die Bühne der Semperoper.

Marjorie Owens singt dabei ihr Debüt als Geisha Cio-Cio-San. Ebenfalls ihre Rollendebüts geben Tichina Vaughn als Dienerin Suzuki, Giorgio Berrugi als Marineleutnant Pinkerton, Christoph Pohl als Konsul Sharpless, Ilhun Jung als Fürst Yamadori sowie Peter Lobert als Kommissar. Die Aufführungsserie dirigiert Henrik Nánási, der Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin.

Weitere Vorstellungen finden am 9., 12. und 16. Dezember sowie am 2. Januar 2013 statt.

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Beklemmender Dreier im Kleinen Haus

Einen intensiven Theaterabend, dessen Bilder noch lange haften bleiben, inszenierte Nuran David Calis am Kleinen Haus mit Tennessee Wiliams´ Drama „Endstation Sehnsucht“. Bis ins Detail beleuchtet er die Figuren und die Beklemmungen der Protagonisten sind im Theatersaal fast spürbar. Blanche DuBois (Nele Rosetz) entstammt einer reichen Südstaatenfamilie. Als sie ihre Stelle als Lehrerin verliert, sucht sie Unterschlupf bei ihrer schwangeren Schwester Stella (Ines Marie Westernströer): Stella lebt in ärmlichen Verhältnissen, doch ist sie glücklich mit dem polnischen Arbeiter Stanley Kowalsky verheiratet. Je länger sich Blanches Besuch bei den Kowalskys ausdehnt, desto heftiger werden die psychischen und sexuellen Spannungen in der engen Wohnung. Blanche ist entsetzt über die Lebensverhältnisse ihrer Schwester und gleichzeitig eifersüchtig. Sie verachtet Stanleys Primitivität und provoziert ihn immer wieder, um ihn der Schwester zu entfremden. Stanley wiederum bringen der Dünkel und die Affektiertheit seiner Schwägerin auf die Palme. Schnell findet er heraus, dass sich hinter ihren schillernden Geschichten vor allem Lebenslügen verbergen. Als Stella zur Entbindung ihres ersten Kindes ins Krankenhaus muss, verliert Stanley die Kontrolle…

Überragend an diesem Abend ist Nele Rosetz, deren Blanche eine psychotische Frau am Rande des Nervenzusammenbruches ist. Sascha Göpel fehlt nach meinem Geschmack ein bisschen das gefährlich-animalische des Stanley Kowalskys, nach der Pause dreht er aber noch einmal spürbar auf. Wolfgang Michalek ist als Mitch ein hinreißend unbeholfener Verehrer, der die peinlichen Situationen so wunderbar tolpatschig werden lässt, dass selbst das Publikum rote Ohren bekommt.

Der Regisseur legt gnadenlos die Finger auf die Wunden seiner Figuren. Allzu menschliches wird sichtbar und richtig sympathisch ist eigentlich keiner dort. Die immer löchriger werdenden Wände des Bühnenbilds (Irina Schicketanz) machen die beklemmende Raumsituation des Dreiers (Stanley, Stella und Blanche) nur umso deutlicher.