Muppets-Oper mit Moral

´Tschuldigung, ich habe mich amüsiert. So richtig. Mich in einem Theatersessel zurückgelehnt und staunend den Abend genossen. Noch auf der Heimfahrt im Auto gelacht und gesungen. Nicht über Moral gegrübelt und nicht über die böse Welt philosophiert. Einfach Spaß gehabt. Der Mensch ist eben schlecht. „Die Dreigroschenoper“ im Schauspielhaus unter der Regie von Friederike Heller hatte Premiere.

„Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht. Da hab ich aber leider recht“, lässt Bertolt Brecht den Bettlerkönig Peachum (grandios: Thomas Eisen) in seiner berühmten „Dreigroschenoper“ sagen. Seit der Uraufführung ist die Opernpersiflage mit der Musik von Kurt Weill ein absoluter Theater-Renner. Ihre Songs sind zu Gassenhauern geworden, ob es die Moritat von Mackie Messer oder das Lied der Seeräuber-Jenny ist. Das Publikum schlägt sich im Allgemeinen auf die Seite der Bösen. Das hat Brecht zwar nicht gewollt, aber ändern konnte er es auch nicht. Trotzdem: Das Werk behandelt ein großes Thema: die Frage nach der Moral des Menschen und warum der Mensch eben so schlecht ist. Die Verhältnisse sind schuld, stellen die Figuren fest, und Brecht fragt: Welche Verhältnisse?

Die Bettler, die Huren und Mörder in Brechts Stück träumen den Traum einer bürgerlichen Existenz. Und um den zu erfüllen, betrügen sie sich und liefern einander ans Messer. Für Moral ist da kein Platz. Regisseurin Friederike Heller macht aus der „Dreigroschenoper“ eine Revue mit Monstern aus der Muppets-Show, Fummeltrinen und Glitter. Hinreißend, wie sich die Huren wie Sirenen auf den Schaukeln wiegen. Wunderbar, wie Oscar aus der Mülltonne kalauert und sich Waldorf und Statler im Rang zynisch kaputtlachen. Ein vermummter Sprayer (Jens Besser) illustriert die Handlung live mit Graffitis am Bühnenrand.

Mühelos schlüpft das bestens aufgelegte Schauspiel-Ensemble in die verschiedenen Rollen, zeigt Spielfreude und Können. Thomas Mahn und seine Band liefern den Sound dazu, die bekannten Songs werden mal eindringlich, mal ironisch präsentiert. Viele hübsche kleine Ideen runden den Abend ab.

Eine verruchte Mutter, die den Schwiegersohn an den Galgen liefert, ein Bettlerkönig, der mit dem Elend verdient, ein Mörder, der mit Polizei und Ganoven gleichermaßen kollaboriert.

Die Welt ist eben schlecht. Und das Komische dabei ist: Es macht auch noch Spaß!

Die ausführliche Kritik können Sie in der nächsten Disy lesen.

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Klingt nach James Bond

Es klingt nach James Bond und das soll es auch: Das Album „Jazz, Love & Henderson“ der gebürtigen Schwedin Caroline Henderson ist eine Hommage an die Bond-Filmmusiken von Shirley Bassey oder Nancy Sinatra. Das Album ist ein charmanter Mix klassischer Stilelemente der populären Musik mit einer Reihe echter Highlights. In ihrer Wahlheimat Dänemark veröffentlichte die Musikerin, die im Rahmen der Jazztage auch schon in Dresden gastierte, bis 2009 neun Alben. So bekannt wie ihre skandinavischen Kolleginnen Sophie Zelmani oder Rebekka Bakken ist Caroline hierzulande zwar noch nicht, aber Freunde des gepflegten Jazz-Pop werden sich über dieses Album trotzdem freuen. Abgesehen von ihrer musikalischen Karriere spielte Caroline Henderson in verschiedenen Theaterstücken und Filmen und schaffte es sogar noch eine Reihe von Jazzprogrammen im dänischen Fernsehen zu moderieren. Schön, dass sie nebenbei Zeit für dieses elegante, lässige und federleichte Album gefunden hat, dass ich gerne am späten Nachmittag bei einem duftenden Espresso genieße.

CD: „Love, Jazz & Henderson“, Caroline Henderson, Sony Music.