Frenetischer Jubel für einen hinreißenden Trottel

„Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti feierte Premiere in der Semperoper. Michael Schulz inszenierte das vergnügliche Werk in sanften Farben und mit vielen liebevollen Details.

Da rollt Dulcamara in einer Arche auf die Bühne, Chorszenen sind ausgefeilt durchchoreografiert, da fliegen unerfüllte Träume wie weiße Luftballons in den Himmel und zerplatzen, da wird der eitle Belcore gleich von einer Schar schmucker Soldaten choreografisch unterstützt. Verzauberte Tanzpaare schweben durch die Szenerie und liebestolle Dorfbewohner gebärden sich megapeinlich.

Höhepunkte des Abends sind die wunderschönen Arien und Duette, allen voran natürlich „Eine verstohlene Träne“, für die Giorgio Berrugi in der Rolle des trotteligen Nemorino in der Premiere frenetischen Szenenapplaus erhält.

Fazit: Großartiges aus dem Orchestergraben (Musikalische Leitung: Riccardo Frizza), stimmgewaltige Solisten (Nadja Mchantaf, Giorgio Berrugi, Marco Vinco) , die Ästhetik der Inszenierung zwar homogen, doch eher ein wenig brav. Wer keine großen Innovationen erwartet erlebt Operngenuss von Feinstem auf hohem Niveau.

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All you can hear

Es ist nicht mehr lang: Ab dem 15. Mai eröffnen die 35. Dresdner Musikfestspiele mit vielen musikalischen Höhepunkten. Und einer der ganz besonderen Momente wird es sein, wenn am 26. Mai bei »All you can hear« die Messe Dresden für über 200 Musiker zur Bühne wird, um mit einem opulenten Programm die Hallen in ein Festspielhaus zu verwandeln. Mi dabei: Das MDR Sinfonieorchester und das Baltic Youth Philharmonic unter der Leitung von Kristjan Järvi. Bereits am 18. Mai wird die Messe Dresden erfüllt sein von quirligem Treiben, mitreißenden Klängen und knisternder Spannung: Beim fulminanten Finale des Tanzprojekts »Let’s Dance!« mit über 100 Dresdner Schülerinnen und Schülern.

Die Ratten, der Tod und das Fernsehen

Auf dem Dachboden des ehemaligen Theaterdirektors Harro Hassenreuter (Michael Heuser) ist was los: Seine Haushälterin Frau John (Julia Vincze) hat das einfache Dienstmädchen Pauline (Dörte Dreger) dorthin verfrachtet, damit diese heimlich ihr uneheliches Kind zur Welt bringen kann. Frau John schwatzt ihr das Neugeborene ab, schließlich will sie den Verlust ihres eigenen Söhnchens so überwinden. „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann ist harter Tobak. Das Stück steht jetzt auf dem Spielplan der Landesbühnen in Radebeul. Nichts ist härter als die Realität. Und so hat Regisseur Arne Retzlaff folgerichtig mit einem intensiv agierenden Ensemble „Die Ratten“ als TV-Show inszeniert. „Quaquaro“ (Olaf Hörbe) moderiert das Geschehen und kommentiert treffend vor der Pause: „Erfinden Sie das mal!“ Diese Regie-Idee ist so zwingend, dass mit den hervorragenden schauspielerischen Leistungen ohne weitere „Zutaten“ ein spannender Abend entsteht. Es gelingen dem Ensemble bewegende Szenen, bei denen dem Publikum das Blut in den Adern zu gefrieren scheint. Alles in allem: Intensives Theater mit eindringlichen Bildern. Gelungen!

Ulrich Thiem: 60 Jahre mittendrin

Mit sechs Jahren übte er mit seiner Mutter am Klavier den „Tanzbären“ und unkonventionell wie er schon immer war fügte er am Schluss eines Tages noch einen Song von Harry Belafonte dazu: Der Dresdner Cellist Ulrich Thiem hat der Musikwelt schon viele Jahre lang spannende, erstaunliche, virtuose und gelungene musikalische Gratwanderungen geschenkt. „Zwischen Bach und Blues“ ist sein bekanntestes Projekt, seine Mitstreiter Annette Roth (Violine), Friedrich „Friwi“ Sternberg (Klarinette/Saxophon), Jörg Naßler (Gitarre), Andreas Böttcher (Vibraphon/Orgel) und Gitarrist Alejandro Leon sind treue Wegbegleiter.Legendär ist sein Auftritt in der „Scheune“ bei einem Konzert der Flamenco-Tänzerin Bettina la Castano: Uli schnappte sich sein Cello und spielte auf der Bühne Flamenco mit – das erste Mal. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft – mit den spanischen Rhythmen und Gefährten wie Gerald Gürtler, Inma Gómez, Enrique Correa und…… Frau Homberg.

Kaum zu fassen, dass Ulrich Thiem heute seinen 60. Geburtstag feiert. Uli, wir freuen uns auf die nächsten 60 Jahre mit großartigen, musikalischen Erlebnissen zwischen Bach und was immer Dir einfällt! Herzlichen Glückwunsch!

www.bachundblues.de

Dornröschen: Sex mit einem Frosch

Das hätten sich die Gebrüder Grimm nicht träumen lassen: Ballettchef Reiner Feistel hat das Grimm´sche Hausmärchen tüchtig abgestaubt und für die Compagnie der Landesbühnen Sachsen in Radebeul inszeniert.

Die Geschichte wird hier ein bisschen anders erzählt: Königin und König wünschen sich nichts mehr als ein Baby. Sehnsüchtig schaut die Herrscherin in jeden Kinderwagen, der an ihr vorbeigeschoben wird. Doch ihr Mann ist sehr beschäftigt, so dass schon die bloße Gelegenheit fehlt, Nachwuchs zu zeugen. Nach einem wunderlichen Sex-Vergnügen mit einem gritzegrünen Frosch in der Badewanne jedoch entdeckt die Königin ihre Erotik neu und auch ihr Mann sieht sie plötzlich mit anderen Augen. Eine Schwangerschaft ist die Folge der wiederentdeckten Liebe. Mit viel Liebe zum Detail hat Reiner Feistel inszeniert und choreografiert. Ein einfaches, wandelbares Bühnenbild unterstützt die Geschichte dabei sehr gelungen.  Alles in allem ein anregender, kurzweiliger Ballettabend, der das begeisterte Premieren-Publikum zu lebhaften Gesprächen anregt.

Weitere Vorstellungen: 8.4., 19 Uhr, 13.4., 19.30 Uhr, 6.5., 19.30 Uhr und am 28.5., 19 Uhr. Landesbühnen Sachsen, Meißner Str. 152, Radebeul.

Claudia Homberg

Derevo tanzt

„Ketzal“ ist eine Inszenierung der russischen Tanztheatercompagnie „Derevo“, die 2004 entstand. Ein mystisch-bizarres, intensives Tanztheater-Stück um mexikanische Mythen. Mit „Ketzal II“ wollen die Tänzerinnen und Tänzer um Anton Adassinsky jetzt an den Erfolg dieser Produktion anknüpfen. Die Künstler stellen sich der Frage, ob der heutige Mensch denn zurückfinden könnte in eine ganzheitliche Welt fernab von den Zwängen unserer Zeit.

Uraufführung am 6. April, weitere Vorstellungen am 7. und 8. April, jeweils 20 Uhr, Festspielhaus Hellerau, Eintritt: 19, erm. 10 Euro.